Wochenbericht
Zur Zeit arbeiten 24 Männer, zwischen 20 und 63 Jahren und eine Frau, Fabienne Brönnimann, die das Büro managt in der Firma.
Die Arbeitswoche beginnt um 7 Uhr mit einer gemeinsamen Sitzung im Aufenthaltsraum. Die Baustellen werden kurz besprochen, Fragen geklärt und dann geht es auch schon los.
Fünf Mitarbeiter sind ständig in der Werkstatt und bearbeiten die Bleche, sodass die Monteure diese dann verarbeiten können und nur noch kleine Anpassungen auf der Baustellen gemacht werden müssen bzw. müssten. Oft geht es zu zweit auf die Baustelle.
Die drei Projektleiter im Büro betreuen die Baustellen vom Auftrag bis zur Abrechnung und stehen den Spenglern in der Werkstatt sowie den Monteuren zur Seite.
Am ersten Tag war ich in der Werkstatt und durfte verschiedene Mitarbeiter unterstützen. Ich konnte Bleche zuschneiden, biegen, schweissen, bohren sägen... schnell stellte ich fest, dass sehr viel Erfahrung und Kenntnisse über das Material benötigt wird. Ein gutes Fingerspitzengefühl braucht man, wenn man von Hand biegen muss, unzählige verschiedene Zangen werden benötigt, auch Bleche von Hand zuschneiden benötigt Übung, Geschick und immer wieder kam ich mit meiner Kraft an die Grenze.
An einem sonnigen Tag ging es nach Weinfelden auf ein grosses Flachdach um dort den Blitzschutz zu montieren. Armin erklärte mir meine Aufgaben und wir beide waren dort den ganzen Tag beschäftigt.
Da das Dach so gross wie ein Basketballfeld war, merkte ich nichts von der Höhe, dies änderte sich am darauf folgenden Tag. Altbau, 5 stöckig mit Gauben und natürlich ging es ganz nach oben, mit jeder weiteren Leiter wurde ich etwas unsicherer. Die Gauben waren schon gemacht, aber da es ein Altbau war, musste Max nun einige Arbeiten vor Ort vorbereiten, anfertigen. Meine Aufgabe war, auf dem Fenstersims stehend, etwas von den Holzrahmen wegzusägen, damit mehr Platz für die Verschliessung der Löcher vorhanden ist. Max, der kurz vor der Pensionierung steht, bewegte sich auf dem Dach wie ein Eichhörnchen, während ich schön das Geländer suchte. Max ist auch für verschiedene Servicearbeiten zuständig, sei es bei Kunden Schwellen anzubringen oder eine Abdeckung auf einem Autobahntunnel. Die Arbeiten sind unendlich vielseitig da jeder Auftrag einzigartig ist. An einem Morgen kam jemand von der SUVA und klärte uns über die Notwendigkeit des Sonnenschutzes auf, verteilte Sonnenhüte und machten von jemand ein Infarotbild, anhand dessen man Hautveränderungen erkennen kann.
Am Vormittag wird eine Znünipause gemacht, und am Mittag eine Pause von einer Stunde, die durfte ich mit den Projektleitern Beat, Armin, Raffi und Fabienne im Cafe Frei verbringen oder in einem Restaurant in der Nähe der Baustelle.
Fazit
Mit Spannung erwartete ich die Woche, freute mich wieder auf die handwerklichen Arbeiten - hatte aber keine Ahnung wie herausfordernd es werden wird.
Ich wurde von Raffi an der Morgensitzung kurz vorgestellt und von den Arbeitern freundlich begrüsst.
Hugo stand ich am ersten Tag bis zum Mittag zur Seite, er ist der Schweissexperte und fertigt Sonderstücke an. Ich konnte nicht nur messen, schneiden, biegen, sondern durfte mich auch im Schweissen probieren. Schnell wurde mir klar, hier geht es um Genauigkeit, wenn 15 mm verlangt werden, dürfen es nicht einfach 14 mm sein, Hugo sah es dem Stück an, dass da 1 mm fehlte, unglaublich. Dies hat mich wirklich fasziniert: Es werden mit schweren grossen Maschinen 6 m Blech zugeschnitten, gebogen, aber alles ist auf den mm und den richtigen Winkel bearbeitet - das Auge eines Spenglers sieht laserscharf, die benötigte Vorstellungskraft, um aus einem flachen Blech die verwinkeltesten Körper zu formen, erstaunlich. Oft kam ich mir sehr unbeholfen vor, musste lange überlegen, ausprobieren und lag dann doch falsch. Aber genau dies ist für mich eine so wertvolle Erfahrung und ich erlebte es nun selber, wie es meinen Lernenden in ihrer Ausbildung geht. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für den Ausbildner nicht immer einfach ist, die Geduld zu haben (es sind ja keine ausgebildeten Pädagogen) die Arbeiten mehrmals zu erklären, bzw. die Fehlversuche auszublenden. Ich durfte erleben, dass alle Freude dabei zeigten, mir etwas zu erklären oder zu zeigen und es wurde viel über meine Resultate gelacht: Runde flache Kupferbleche, die bei mir gewellt waren, da ich nicht mit Gefühl die Kreissäge bediente, krumme Schnitte mit der Blechschere (die konnte ich bis zum Schluss nicht richtig bedienen), Zangen, die ich nur mit Hilfe beider Arme zudrücken konnte, Abkantungen, die eher wie Rundungen statt Ecken aussahen....
Eine spannende Woche, die ich sehr genossen habe, wieder erfahren durfte, wie lässig die Bauleute sind, wie vielfältig dieser Beruf ist und für mich war es wieder eine Herausforderung, durfte Grenzen kennen lernen (eine kleine Narbe wird mich immer an diese Woche erinnern). Auch als "Spenglerin" war ich abends müde, aber zufrieden, happy.